Geistliches Wort
Monatsspruch Januar:
"Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft."
Befohlene Liebe klingt irgendwie gar nicht romantisch. Und ehrlich gesagt, glaube ich auch nicht, dass sie führt jemals zum Herzen der Person führt, das man zu erreichen sucht. Jeder, der einmal so recht von Herzen unglücklich verliebt war, weiß, dass dies unmöglich ist. Alle Zwänge oder Befehle widersprechen dem Wesen der Liebe. Dieses innere Feuer, das das Hohelied Salomos als eine "Flamme des Herrn" preist, kann den ganzen Menschen einnehmen und ihn stärker binden als alle äußeren Mächte. Aber wie kann man ein solches Feuer in sich selbst anzünden?
Diese Worte klingen, auch am Anfang des neuen Jahres, nach einer heillosen Überforderung. Vieles haben wir uns wieder vorgenommen. Aber das, wozu wir fähig sind, ist Eigenliebe. Unserer Natur nach lieben wir weder Gott, noch unseren Nächsten, sondern vor allem uns selbst.
Diesem Gebot Gottes geht aber etwas voraus. Liebe hat immer einen Weg hinter sich, bevor wir sie erfahren. Gott höchstpersönlich macht sich die Mühe seine geliebten Menschen aus der Unterdrückung in ein partnerschaftliches Verhältnis zu ihm zu bringen. Ägypten, das heißt Welt der Entfremdung, Welt der Spaltung. Einerseits lebt man dort an üppigen Fleischtöpfen und andererseits ist das Vorzeichen dieser Fülle die Sklaverei. Aus dieser ausweglosen Doppeldeutigkeit führt Gott sein Volk in die Eindeutigkeit, in die Heimat, in seine Nähe. Das geschieht auch 2010, im Jahr der Stille, nicht ohne Wüstenerfahrungen. Aber am Ende des Weges wird der Mensch als Familienmitglied, als Gegenüber Gottes gewürdigt. Johannes schreibt: "Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!" Gott nimmt uns Menschen ernst und verbündet sich mit uns, als Zeichen seiner Liebe und unserer einzigartigen Würde. So ist Liebe ein Ausdruck der Zusammengehörigkeit, der Einheit. Ich kann nicht meinen Partner lieben und schlecht über ihn reden. Ich kann ihn nicht lieben und gegen ihn sein. So ist es nun nachvollziehbar, dass Gott uns auffordert ihn ganz, d.h. ungeteilt, zu lieben. Ihn in unser ganzes Leben zu integrieren. Alle Dinge unseres Lebens hörend in Beziehung zu setzen zu dem Einen. Ein solcher integrativer Lebensstil spaltet nicht, sondern versöhnt, er führt zusammen und baut Brücken der Liebe. Und wenn das mit unserer ungeteilten Vitalität geschieht, dann werden auch unsere Gemeinden und Gottesdienste davon profitieren.
Martin Englisch
Quelle: Oncken - Agentur für Kommunikation
5. Mose 6,5


